60 Jahre Familienfest in Frohlinde und Hubert Gerwin war von Anfang an dabei

Im folgenden Text, der zum Abschluss der Hl. Messe am Familienfest-Sonntag vorgetragen wurde, lässt Hubert Gerwin 60 Jahre Familienfest Revue passieren, viel Spaß beim Lesen!

Von unserem Kolping-Vorstand wurde ich gebeten, einige Aspekte aus den 6 Jahrzehnten einmal aufzuschreiben und heute hier vorzulesen. Das habe ich nach einigem Zögern gern übernommen, da außer mir leider nur noch ganz wenige unter uns weilen, die von Anfang an dabei waren.

1966 beschloss der Vorstand der damals 42 Personen starken Kolpingsfamilie, den teils kinderreichen Familien ein kostengünstiges Fest mit Spielen wie Sackhüpfen, Tauziehen und Eierlaufen anzubieten.

Das erste Familienfest fand dann im Spätsommer 1966 im Garten der Bauerschänke von Tante Amanda statt. Dazu lieh man sich von der benachbarten KF Schwerin Kletterstange und Rutsche aus, denn in Schwerin auf Schülkens Wiese fand ein Kinderfest schon Jahre vorher statt.

Wir, und damit meine ich namentlich Herbert Sprenger, Franz Sasse, Hermann Ramm, meinen Bruder und mich, waren damals noch keine Kolpingmitglieder, durften aber da schon mithelfen und mussten uns auch anderweitig „bewähren“, um dann im Dezember vor 60 Jahren in die KF aufgenommen werden zu können. So war das damals halt.

Auch unser Friedbert war 1966 schon dabei. Im zarten Alter von 12 Monaten hat er aus seinem Kinderwagen heraus bestimmt alles genau beobachtet und sich wahrscheinlich da schon seine Gedanken um die Zukunft des Festes gemacht. Vielleicht hat er schon geahnt, dass eines Tages bei ihm alle Fäden zusammenlaufen und er die Gesamtverantwortung für das Fest übernehmen darf.

Ab 1967 fand dann das Fest hier in Frohlinde auf Grümers Wiese gegenüber dem Kindergarten statt. 

Es wurden Buden wie Glücks-, Ball- und Schießbude zusammengezimmert. Zunächst fand das Fest nur sonntags statt, beginnend mit dem Gottesdienst auf der Tanzfläche, die natürlich auch in Eigenarbeit gebaut wurde. 

Es gab dann auch schon eine erste Schiffschaukel und einen Schwebebalken. Auf einer Ponderosa-Ranch wurde den Kindern Ponyreiten angeboten. Kutschfahrten standen ebenfalls auf dem Programm für die Kinder.

Die Öffentlichkeit wurde viele Jahre mit einem Autokorso auf das Fest aufmerksam gemacht, der einen Tag vorher durch Frohlinde und durch die benachbarten Orte fuhr. Anfangs begleitet von dem Spielmannszug der Schweriner Kolpingsfamilie, der auf einem LKW-Platz genommen hatte.

Die Schweriner Gruppe führte auch die kleinen und großen Besucher am Festtag selbst von der Ecke Kirchlinder-/Melchiorstraße zum Festplatz. 

Getreu dem Kolping-Zitat „Wir können viel, wenn wir nur nachhaltig wollen, wir können Großes, wenn tüchtige Kräfte sich vereinen“ wurde in den folgenden Jahren das Fest immer größer und professioneller ausgerichtet. Das dies gelungen ist, haben wir in erster Linie Herbert Sprenger zu verdanken. Ohne sein unermüdliches Schaffen würden wir ein solches Fest in dieser Form heute nicht veranstalten können.

Im Jahr 1976 kam es bei der Tombola zu einem Kuriosum. Es war wie in diesem Jahr ein trockener Sommer fast ohne Regen und dadurch bedingt war auch die Kartoffelernte mager, sodass wir als Hauptpreis einen halben Zentner Kartoffeln auslobten. 

Der Vater unseres Diakons und seines Bruders, Kolpingbruder Josef Wefringhaus sen., kratzte die besten Kartoffeln zusammen und so kam der halbe Zentner zustande. 

Seit 1980 findet das Familienfest hier auf der Festwiese statt. Um das zu realisieren, waren u.a. umfangreiche Erdarbeiten notwendig. Wo sich jetzt der Kinderspielbereich befindet, war das Gartenland unserer jeweiligen Pfarrvikare.

Es wurde also viel Erde verschoben, Wege angelegt und ein besonderer Bereich für die Schiffschaukel und den Schwebebalken geschaffen. Der Schiffschaukelbereich wurde übrigens in diesem Jahr erneuert.

Herbert Sprenger sorgte dafür, dass für die einzelnen Stände nach und nach feste Buden gebaut wurden. Zusammen meist mit Meinolf Kentner wurde in Hünings Werkstatt geschweißt und gewerkelt was das Zeug hält. 

Im Baukastenprinzip wurden sämtliche Buden erstellt, die heute noch Bestand haben.

Auf dem neuen Gelände mussten dann zahlreiche Leerrohre verlegt werden, durch die immer die Versorgungsleitungen wie Frischwasser und Abwässer geführt werden. Durch diese Leerrohre verlaufen u.a. auch die Bierleitungen zum Getränkestand. Alle Leitungen werden jedes Jahr neu durch die Leerrohre gezogen.

Die Gerätschaften mussten natürlich irgendwo gelagert werden. Beim Bauer Wilhelm Grümer fand sich dazu ein Teil der Hofscheune, die er uns schon seit 1967 zur Verfügung gestellt hatte. 

Natürlich mussten dann sämtliche Geräte und Buden von dort hierhin zum Festplatz und zurückgebracht werden. Das bedeutete einen enormen Arbeitsaufwand und unsere Landwirte stellten Traktoren und Anhänger und sich auch persönlich dafür zur Verfügung, ebenfalls die Firma Hüning mit einem Lastwagen. 

Um diesen Umstand zu beseitigen, kam Ende der 1980-ziger Jahre unserem Herbert die Idee, eine eigene Lagerhalle hier auf dem Kirchengrundstück zu errichten.

Gesagt, getan. Es wurde dann einige Jahre weniger Geld an die Mission gespendet und so konnte die Lagerhalle finanziert werden. Unser Kolpingbruder Josef Burmann leitete als Architekt alles Erforderliche in die Wege und der Bau konnte mit viel Eigenleistung und professioneller Hilfe errichtet werden. 1990 war das Gebäude fertig. Alle Gerätschaften konnten wir nun dort unterbringen. 

Das war dann eine enorme Arbeitserleichterung, brauchte doch nichts mehr weitläufig transportiert werden. Vor ein paar Jahren wurde zusätzlich eine gebrauchte Garage angebaut, die uns die Schönstattfamilie zur Verfügung gestellt hat.

Von den vielfältigen Aktivitäten im Rahmen des Familienfestes habe ich mir stellvertretend für alle anderen 2 Stationen ausgesucht, die es heute in dieser Form allerdings nicht mehr gibt. Alle einzelnen Angebote hier zu beschreiben, würde ohnehin den zeitlichen Rahmen sprengen.

Unser Bäckermeister Alfred Böhne hatte zum Familienfest immer alle Hände voll zu tun.

Schon auf der alten Festwiese hat er zusammen mit dem Kolpingbruder und Bäckermeister Theo Sellinghoff Berliner Ballen produziert. Später dann hier in der Backstube im Kuchenstand wurden von ihm fortlaufend Berliner Ballen und Waffeln gebacken. 

Wie viele es im Laufe der Jahre waren – wer weiß das schon, zigtausend Exemplare waren es sicherlich.

Auch die Zahlen im Imbissstand waren beeindruckend. Hier wurden jedes Jahr hunderte von Würstchen auf dem Grill gedreht und im Laufe der Jahre zentnerweise Pommes gebacken. In der Metzgerei Schäfer wurde eimerweise Kartoffelbrei für die beliebten Reibeplätzchen hergestellt.

Mit den finanziellen Erlösen der Familienfeste konnten wir viel Gutes bewirken, haben u.a. stets verschiedene Missionare in Afrika und Brasilien unterstützt, derzeit die Missionsärztlichen Schwestern mit Sitz in Essen. Größere Beträge gingen und gehen auch heute noch an unsere Kirchengemeinde für notwendige Restaurierungen der Kirche, für den Bau des Pfarrsaales und Anschaffung einer neuen Orgel. Auch das Hospiz Elisabeth und das Kinderhospiz Sonnenherz wurden und werden weiterhin bedacht.

In Kirchlinde und auf Schwerin gibt es jeweils eine Frohlinder Straße. Eine dritte Frohlinder Straße liegt etwas weiter entfernt, im Südosten von Brasilien, im Staate Santa Catarina und dort in der Stadt Canoinhas. 

Nach wochenlangen Regenfällen im Jahr 1982 verloren hunderte Familien ihre Häuser und ihr Hab und Gut. Dort war der ehemalige Schweriner Kolpingsenior Leo Gaszczak als Pater Adalberto tätig, den wir schon Jahre vorher unterstützt hatten.

Mit den Erlösen einiger Familienfeste konnte er in einer neuen Siedlung zwölf Häuser bauen lassen, einige Grundstücke finanzieren und einen Kindergarten ausstatten. 

Dem dortigen Bürgermeister machte er zur Bedingung, das Geld wird nur dann ausgezahlt, wenn die Siedlung den Namen „Frohlinder Straße“ bekommt. Die Urkunde des Bürgermeisters hierüber liegt uns vor. 

Über Kolping International konnte ich vor einigen Jahren erfahren, dass es diese Straßenbezeichnung immer noch gibt. 

In dem Kirchenlied „Mein Hirt ist Gott, der Herr“ finden wir eine Textpassage mit den Worten: „..Dazu ist wunderbar, ein Tisch mir immerdar von dir o Herr bereitet …“. 

In Anlehnung an diesen Text bin ich mir sicher, dass an diesem Wochenende in den himmlischen Gefilden eine riesige Kaffeetafel aufgebaut ist, an dem Dutzende unserer nicht mehr unter uns weilenden Kolpinger Platz genommen haben, um mit uns gemeinsam 60 Jahre Familienfest zu feiern.

Alfred hat mal wieder reichlich Berliner Ballen gebacken und Herbert den Kaffee gekocht. 

Wir dürfen annehmen, dass auch AK sich dazu gesellt hat und zum Alfred, zum Herbert und allen anderen sagt: „Schaut mal da runter nach Frohlinde zu euren Kolpinggeschwistern, was die dort wieder auf die Beine gestellt haben. Die können das immer noch, auch noch nach 60 Jahren“.

Nun komme ich aber langsam zum Schluss. Otto Posner als Gründungsmitglied und Urgestein unserer KF hat mir nach meiner Wahl zum Vorsitzenden einmal gesagt: „Denk daran, du kannst über alles reden, nur nicht über 10 Minuten“. Wahrscheinlich ist mir das heute aber nicht gelungen.

Zuletzt nur noch dies:Was mich für die Zukunft optimistisch stimmt ist die Tatsache, dass sich bei den Auf- und Abbauarbeiten zum Familienfest und beim Fest selbst unsere Jugendlichen enorm stark beteiligen und das außer den Jugendlichen unheimlich viele Helferinnen und Helfer, mit und ohne Kolping-Ausweis, dabei sind. Das zu sehen macht Freude und gibt Hoffnung für die Zukunft. Dafür gilt allen Dank und Anerkennung.

Autor: Hubert Gerwin

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